Ein wunderbarer Mensch und Wissenschaftler wurde plötzlich und viel zu früh aus dem Leben gerissen, wie ich erst über Umwege erfuhr. Ein alter Freund, mit dem ich nach längerer Pause gerade erst wieder Kontakt gefunden hatte. Dass dieser wieder abbrach, meine letzten Nachricht unbeantwortet blieb, hatte ich mir nicht erklären können. Dabei hatten wir just wieder angefangen, gemeinsame Pläne zu schmieden.

Andreas, Habibi! Letztlich und zusammengenommen haben wir nur einige Monate zusammen in Abydos verbracht, aber was für eine intensive Zeit... Ich muss unwillkürlich grinsen, wenn ich daran denke, wie wir beide so manche Mudira im Grabungshaus in den Wahnsinn trieben, wenn der kombinierte norddeutsche Humor ausuferte, die Tischtennisduelle durch anhaltende gegenseitige Schimpftiraden auf Niveau gehalten wurden, hanseatische Mundart auf Arabisch traf. DVD-Abende im stockdunklen, stromausgefallenen Grabungshaus, Ausflüge in die Wüste, Literatur- und Musikaustausch, gelegentliches Politisieren und stets natürlich: Fachsimpeln! Anekdoten fallen mir spontan ein, die ich hier nicht wiedergeben kann... Der ägyptologische Spätzeitler und der Frühzeitler. Inzwischen ein längst vergangenes biographisches Kapitel, aber eines, das ich nie vergessen werde. Auf deine Sprachfähigkeiten war ich ein wenig neidisch, deine Begeisterung für die Forschung finde ich bis heute inspirierend. Und deine ansteckende, nationalitäten- und sprachübergreifende Herzlichkeit mag man schon fast als dein Markenzeichen bezeichnen wollen.
Niemand, der dich kannte, kann Zweifel daran haben, dass dein Herz leichter als die Feder der Maat gewogen wird. Die Reise durch die Duat wird dir ein Leichtes sein, die lichte Unterwelt schnell erreicht und mit Sicherheit dein nächstes Forschungsfeld. Im Übrigen: "Time ist on my side" - du weißt schon! Fühle dich ein letztes Mal gedrückt!
Jan